Peter Strudel (Strudl)


*1660 bis †1714

Biographie

Der Maler und Bildhauer Peter Strudel, Freiherr von Strudendorff, gehört zu den wichtigsten Vertretern der österreichischen Barockmalerei. Er war von den drei am Wiener Hof wirkenden Brüdern Strudel der Bekannteste und Angesehenste der aus Südtirol stammenden Künstlerfamilie. Peter wurde wie der ältere Paul und der jüngere Dominik im Val di Non in Südtirol, angeblich in Cles, geboren, wo ihr Vater Jakob als Bildhauer wirkte. Er lernte bei seinem Vater und bei Johann Carl Loths in Venedig und kam Ende der 1680er Jahre möglicherweise über Vermittlung des kurpfälzischen Hofes nach Wien, wo sein Bruder Paul seit 1684 tätig war. Schon 1690 wurde er wirklicher Hof- und Kammermaler mit einer Bestallung von 3.000 Gulden jährlich für "Farbe, Tuch und Mühe" und einer Arbeitsverpflichtung von acht Monaten im Jahr. 1701 wurde er in den Adelsstand erhoben.
Strudel schuf Altarbilder und Gemälde für zahlreiche Wiener Kirchen, darunter die Augustinerkirche, Dominikanerkirche, Rochuskirche und die Gardekirche am Rennweg, für die Stifte Klosterneuburg, Heiligenkreuz, Garsten, St. Florian und die Pfarrkirche Pottendorf, für Palais und Schlösser in Wien und Niederösterreich (Ebenfurth) und in Deutschland. Nach dem Tod seines Bruders Paul 1708 wurde ihm die Weiterführung der aus weißem Marmorstatuen bestehenden Habsburger Ahnengalerie übertragen, für die Paul bereits 16 Figuren geschaffen hatte. Peter lieferte bis zu seinem Tod 15 Figuren. Die insgesamt 31 Statuen befinden sich heute im Prunksaal der Nationalbibliothek und in so genannten Habsburgersaal der Franzensburg in Laxenburg.
Peter Strudel hatte bei seinen Zeitgenossen einen ausgezeichneten künstlerischen Ruf. Aus seinen Werken spricht ein sorgfältiges Studium der venezianischen und bolognesischen Malerei sowie Kenntnis der niederländischen Meister. Seine dekorative Malerei in leuchtend-kräftigen Farben war sehr wirkungsvoll, doch hat sich an Ort und Stelle nur das Deckengemälde des Winterpalais Pring Eugens (heute Finanzministerium) erhalten, während die anderen Werke aus ihrer ursprünglichen Umgebung entfernt wurden und damit an Wirkung verloren. Die mehr in Hell-Dunkel gehaltenen Altarbilder zeigen eine für die damalige Zeit erstaunlich weite Empfindungskala.
Der Künstler galt als überaus unternehmungslustige und geschäftstüchtige Persönlichkeit mit ungewöhnlichen Einfällen, der Steuern pachtete, Holzgeschäfte abwickelte, Kunstwerke sammelte und verkaufte. Eng verbunden ist sein Name mit der Gründung der Akademie in Wien, damals ein von Kaiser Leopold I. unterstützter Privatbetrieb. Sitz der Schule war der von Strudel erbaute und nach ihm benannte Strudelhof in der Vorstadt (9. Bezirk). Als Lehrmittel wurden Gipsabgüsse nach den berühmtesten Antiken und Werken Berninis, Algardis u. a. hergestellt. Nach Strudels Tod - er starb 54-jährig 1714 in Wien - wurde der Akademiebetrieb eingestellt, um erst unter Karl VI. nach dem Muster der Französischen Akademie wiederzuerstehen.